ABC-XYZ - Analyse
Die ABC-XYZ - Analyse besteht aus zwei Analysen die sowohl einzeln als ABC - Analyse und XYZ - Analyse betrachtet werden können, als auch als kombinierte ABC-XYZ - Analyse.
Die ABC - Analyse ist die bekanntere von beiden. Mit ihr kann beispielsweise Verbrauch (nach Umsatz, Absatz, ...) in A-, B- und C-Produkte kategorisiert werden.
Zunächst werden die Prozentsätze für die drei Absatz - Kategorien vorgegeben: A - Produkte ergeben 80% des Absatzes, B - Produkte 15% und C - Produkte 5%.
Beispiel:
Die Anteile der 12 Güter M1 .. M12 am Absatz seien wie folgt (absteigend sortiert nach % Anteil):
Wenn wir die kumulierten Anteile betrachten so stellen wir fest, dass sich eine Einteilung in 80% - 15% - 5% nicht durchführen lässt.
Wir entscheiden uns daher für folgende Klassifizierung:
A - Produkte: 81%
B - Produkte: 12% (kumuliert 93%)
C - Produkte: 7%. (kumuliert 100%)
Nun können wir jedem Produkt eine Kategorie zuweisen:
Offensichtlich tragen die vier A - Produkte (M5, M11, M2, M12) zu 81% dem Absatz bei, während die fünf C - Produkte (M1, M6, M9, M3, M8) nur 7 % zum Absatz beitragen.
Grafisch lässt sich dieser Sachverhalt sehr übersichtlich mit einem Pareto - Diagramm darstellen. Dies, sowie weitere ausführliche Details zur ABC - Analyse, wird im Kurs LEAN Analysen besprochen.
XYZ - Analyse
Die XYZ - Analyse kategorisiert Produkte ebenfalls, allerdings nach einem anderen Gesichtspunkt. Zur Veranschaulichung betrachten wir Produkt M5, welches 45% zum Gesamtabsatz beiträgt (siehe ABC - Analyse oben).
Die 45% repräsentieren den Durchschnittswert für das Jahr der Betrachtung. Wir nicht wissen nicht, ob es sich dabei um eine einzige Kundenbestellung, um regelmäßige monatliche Bestellungen oder um unregelmäßig hohe Bestellmengen während des Jahres handelt.
Es gibt Gründe, warum uns die Streuung der Bestellmengen interessieren. So wünschen wir uns beispielsweise für eine LEAN - orientierte Produktionsplanung möglichst nivellierte Produktionsaufträge (d.h., mit geringer Streuung).
Es wäre naheliegend, als Maß der Streuung die Standardabweichung zu verwenden - das bevorzugte Streuungsmaß für stetige (kontinuierliche) Daten. Dies wäre akzeptabel wenn alle betrachteten Produkte den gleichen Durchschnittswert hätten. Da dies aber üblicherweise nicht der Fall ist, ist es sinnvoll die Streuung in das Verhältnis zum Durchschnitt zu setzen.
Dieses so gewonnene Maß wird Variabilitätskoeffizient v genannt:
Variabilitätskoeffizient v = Standardabweichung s / arithmetisches Mittel xquer
Hinweis zur Bezeichnung Variabilitätskoeffizient: Die Streuung wird (besonders in der technischen) Literatur auch Variabilität genannt. Diese ist nicht mit dem hier besprochenen Variabilitätskoeffizienten zu verwechseln.
Zur Berechnung der Variabilitätskoeffizienten der einzelnen Produkte werden die entsprechenden Daten benötigt. Der Übersichtlichkeit halber beschränken wir uns auf die sechs Monate des ersten Halbjahres.
Die nachstehende Tabelle wurde mit fiktiven Daten erstellt, xqu ist das arithmetische Mittel der sechs Monatszahlen, für die Standardabweichung s wurde die Excel - Funktion =STDABW.S() verwendet (unter der Annahme, dass es sich um eine Stichprobe handelt).

Betrachten wir nur die Standardabweichung s, so ist ersichtlich, dass das Produkt M1 mit 887,31 am höchsten und M9 mit 118,31 weitaus geringer streut. Wie wir bereits angemerkt haben ist die Standardabweichung zum Vergleich nicht brauchbar wenn - wie hier - die Mittelwerte unterschiedlich sind.
Wir vergleichen daher den Variabilitätskoeffizienten v, der für M1 0,33 und für M9 0,99 beträgt. Offensichtlich streut M9 im Verhältnis zum Mittelwert das Dreifache von M1.
Im nächsten Schritt gehen wir vor wie bei der ABC - Analyse: wir entscheiden uns für eine Klassifizierung.
Kategorisierung XYZ nach Variabilitätskoeffizient v:
X <= 0,25
Y <= 0,60
Z > 0,60
Diese Einteilung ist willkürlich und abhängig von individuellen Faktoren. In unserem Kurs LEAN Analysen, ABC-XYZ - Analyse, gehen wir näher darauf ein.
Wie bei allen Analysen - und Untersuchungen überhaupt - ist die Problem- und Fragestellung wichtig, so auch bei der XYZ - Analyse. Wir wollen annehmen, dass der Produktionsleiter wissen möchte, welche Produkte regelmäßig bestellt werden und welche weniger regelmäßig. Der Bestellwert der Produkte sei zunächst nachrangig.
Wir betrachten die Bestellmengen der letzten sechs Monate und klassifizieren die Produkte in X, Y und Z Kategorien.
Die X - Produkte M2, M10, M11 und M12 werden im Vergleich zu den anderen Produkten hinsichtlich Menge regelmäßig bestellt. Dies erleichtert dem Produktionsleiter ein Lean - gerechtes Produktionsprogramm zu erstellen.
Die Y - Produkte M1, M3, M4 und M5 werden teilweise regelmäßig bestellt, während die Z - Produkte unregelmäßig bestellt werden.
Diese XYZ - Analyse berücksichtigt jedoch nicht wie hoch die Anteile der Bestellmengen je Produkt sind. So wird das X - Produkt M10 zwar regelmäßig bestellt, trägt aber nur zu 4% zur gesamten Bestellmenge bei.
Es ist daher sinnvoll, den Produkten sowohl ABC - als auch XYZ - Kategorien zuzuweisen. Aus der folgenden ABC-XYZ - Analyse ist dies ersichtlich.
ABC-XYZ - Analyse
Jedem Produkt eine gemeinsame ABC-XYZ - Kategorie zuzuweisen bedeutet, dass bis zu neun Kombinationen möglich sind. Aus obigen Tabellen ist ersichtlich, dass beispielsweise das Produkt M1 den Kategorien C und Y zugeordnet wurde.
Was hilft uns nun die Kenntnis, dass M1 wenig zum Gesamtabsatz beiträgt und einigermaßen und Bestellmengen regelmäßig in gleicher Höhe eingehen?
Viel hängt davon ab welche Prioritäten unser Unternehmen gesetzt hat, ob wir in einem Lean - gerechten Produktionsumfeld arbeiten (oder wollen), usw.
Es ist sinnvoll für jede der neun möglichen Kombinationen einen Text zu formulieren, der für unsere eigene Situation zutreffend ist. Dies könnte - zunächst ganz allgemein - wie folgt aussehen:
- AX: hoher Wertanteil und regelmäßige Bestellmengen
- BX: mittlerer Wertanteil und regelmäßige Bestellmengen
- CX: geringer Wertanteil und regelmäßige Bestellmengen
- AY: hoher Wertanteil und schwankende Bestellmengen
- BY: mittlerer Wertanteil und schwankende Bestellmengen
- CY: geringer Wertanteil und schwankende Bestellmengen
- AZ: hoher Wertanteil und sehr unregelmäßige Bestellmengen
- BZ: mittlerer Wertanteil und sehr unregelmäßige Bestellmengen
- CZ: geringer Wertanteil und sehr unregelmäßige Bestellmengen
Diese Texte können wir nun unseren Produkten zuordnen:
Bei einer konkreten Umsetzung würde man zu den einzelnen Analysetexten noch weiter Erklärendes hinzufügen. Beispielsweise für
AX: Just-in-Time Belieferung
BX: Bedarfsnahe Belieferung.
Selbstverständlich müssen diese Texte entsprechend den Umständen individuell angepasst und detailliert werden.
In unserem Kurs LEAN Analysen, ABC-XYZ - Analyse, werden Excel Vorlagen mitgeliefert welche die Gestaltung der ABC-XYZ - Analysen erleichtern.